Geschichte ist ein interessantes Phänomen.
Jeder von uns kann Geschichte schreiben oder in andere Bahnen lenken aber keiner kann sie mehr verändern.....
Jeder von uns kann Geschichte schreiben oder in andere Bahnen lenken aber keiner kann sie mehr verändern.....
Der Dodge Charger IST Geschichte. Nun kann man hier wohl unheimlich viel im ganzen Internet und aus Büchern herauslesen aber unterm Strich lässt sich das ganze doch nicht verändern.
Auch ich habe mir die Mühe gemacht, mich über MEINEN Dodge Charger näher zu informieren. Dabei bin ich (unter anderem) auch auf das Buch "Amerikanische Automobile der 60er Jahre (AAD60J)" gestossen. Ihr werdet im Laufe dieses Artikels auch einiges an Wissen erhalten, dass ich - unter anderem - aus diesem Buch entnommen habe.
Aber wo fange ich am besten an...die Geschichte des DODGE ist unendlich lang. Nun fangen wir mal mit dem Mutterhaus an --> Chrysler
Im Jahre 1957 war Chrysler gezwungen, aufgrund fehlender Nachfrage im Mittelklassemarkt, sich von ursprünglich 5 Divisionen auf nur noch 2 (Dodge und DeSoto-Plymouth) zu konzentrieren. Vielen Dodge-Händlern fehlten dadurch natürlich Ressourcen in Form von Angeboten - die Kunden machten damals schon das, was wir auch heute machen: Fehlt das Angebot, gehen wir zu dem Händler, der entsprechendes anbietet.
Um die Dodge-Händler zu beruhigen wurde durch Chrysler für 1960 ein erheblich erweitertes Modellangebot angekündigt, eingeteilt in zwei "Senior" (vormals Royal und Custom Royal) und einer preiswerteren "Junior"-Serie (löste damit den Coronet als Plymouthrivalen ab). Die Folge war, dass die Vielfalt der Modelle um rund 45 Prozent anstieg, waren jetzt doch statt ursprünglich 19 neu 35 Modelle verfügbar.
Den Beginn machte in den Jahre 1960/61 der Dodge Dart und der Dodge Polara / Matador, gefolgt vom Dodge "Standard" und dem Dodge Custom 880 (Baujahre 1962-1964). Ausserdem kam im Jahr 63 der Dodge Dart GT dazu, welcher bis 1966 übers Band lief.
Als Luxusmodell der Dodge-Mittelklasse galt der 1965 gebaute Dodge Coronet 500 - Chrysler brachte hier übrigens erstmals seit 1959 wieder einen Wagen unter dem Namen "Coronet" auf den Markt - ein Name, der den Autoverkäufern bereits seit fast zehn Jahren ein Begriff war.
Klar zur Oberklasse gehörte der 1965/66 gebaute Dodge Polara 500 / Monaco & Monaco 500. Dodge beschrieb den Polara 500 als den Wagen für "special, sports-minted, fun-lovin people". (Quelle: AAD60J)
1966-67 begann dann die Produktion der Dodge-Charger-Reihe.
"Dies ist kein Traumwagen" war in einem Verkaufsprospekt von Dodge zu lesen. Und diese Aussage war nicht nur ein Werbegag sondern durchaus Ernst zu nehmen. Der aufregend geformte Fastback-Charger entwickelte sich aus einem Show-Car heraus. Das originale, längere Heck wurde dabei kurzerhand abgeschnitten und durch ein flaches Heckblech ersetzt. Die Entwicklung selbst führte dann über den Dodge Dart GT und GTS bis 1968/69 der Dodge Charger (R/T), Dodge Coronet R/T und Super Bee auf den Markt kam. Das R/T steht hier schlicht und ergreifend für "Road-Track-Edition.
Dieser Schritt war aus Sicht des Konzerns auch notwendig, nahmen doch die Verkaufszahlen nach dem sensationellen Start im Jahre 1966 rapide ab. Wurden 1966 insgesamt 37'344 Stück produziert so reduzierte sich dies im Jahr 1967 auf nur noch 15'788. Also musste etwas neues her, ohne vom althergebrachten allzu gross abzuweichen. Im Vordergrund sollte selbstbewusstes auftreten und PS-Stärke stehen. Schliesslich wurde noch das Fastback gegen eine stufenförmiges Semi-Fastback mit tief eingelassener Heckscheibe ausgetauscht.
Um auch für Fans der "Muscle-Cars" einen Anreiz zu schaffen, wurde zusätzlich die angeführte R/T-Serie geschaffen. Dies war Bestandteil eines "Scat-Packs", bestehend aus Charger R/T, Coroner R/T und dem Dart GTS. Gemeinsam hatten alle zusammen, dass sie "bumblebee"Zierstreifen um das Heck herum trugen und mit Treibsätzen motorisiert waren, die diesen Namenszusatz rundum verdienten.
Dazu kamen clever aufgebaute Werbeanzeigen, die den "Charger R/T" (the Clean Machine) als einen Wagen vorstellte, der "nicht für jedermann gebaut wurde" - und somit natürlich jeder haben wollte. Die Werbung zielte ganz bewusst auf den "harten, individualistischen Kunden" ab, für den ein "440-Magnum-V8 mit hartem Fahrwerk" ein unbedingtes muss war.
Gleichzeitig machte die Werbung aber auch deutlich - wohl auch deshalb, um die "weniger harten" nicht abzuschrecken - dass der Kunde dabei auf Komfort in Form eines weichen und geschmeidigen Innenraumes" nicht verzichten musste. Irgendwie erinnert mich das ganze an eine Harley Davidson Softail, die ja im Prinzip ebenfalls in diese Richtung abzielt: Optik eines Starrahmens mit weicher Federung.
Und durch dieses "Knallhart/Samtweich"-Image verkaufte sich der Dodge Charger entsprechend. Die Komfortbewussten freuten sich über die Vinylbezogenen Schalensitze und die luxuriösen Annehmlichkeiten (unter anderem gab's ein Extra Sitzkissen dazu das - zwischen die Vordersitze gelegt - einem dritten Passagier Platz bot) während die Freaks auf das Aggressive äussere und die Leistung abfuhren. Zwei Auspuffendrohre, die zum träumen anregten und rotgeränderte Reifen taten das ihrige dazu um auch den letzten Widerstand dieser Freaks zu brechen.
Wer jetzt aber davon ausgeht, das der Dodge Charger nur mit Hemi oder Magnummotoren bestückt wurde befindet sich klar im Irrtum. Im Gegenteil war die Serienmässige Bestückung ein 318 ci-V8 Motor (5.2 Liter) welcher lediglich 230 PS Leistung brachte. Zudem brachte Chrysler auch einen 383 ci mit 290 oder 330 PS auf den Markt. Aber nur, wer einen R/T verlangte oder optional einen 375 PS-Magnum bzw. 425 PS-Hemi hatte hier anstatt eines Alltagsautos einen echten Sportwagen.
Aber Werbetexter - damals wie heute bekannt für Ihre Kreativität - schafften es mit einer freizügig umgesetzten Ausdrucksweise, Sein und Schein zu verwischen. So sollte unter anderem das Fahrwerk im Stande sein, die "hervorstehenden Schienen eines verlotterten Bahnüberganges mit einer sturen Gleichgültigkeit zu schlucken" Aber auch Aussagen wie Dieser "Beautiful Screamer" mit seiner "impertinenten Heckspoilerlippe" und seinen "440 ci of mean" leisteten das ihre. Und diejenigen, die unbedingt selber schalten wollten sollten sich vorstellen, wie das "Vierganggetriebe seine Zähne ineinander legt mit der Präzision einer scharfen Axt, die ein weiches Stück Holz zerteilt". Und genau das brauchte bzw. wollte die Amerikanische Jugend hören. Ihnen wurde versprochen (Zitat AAD60J): "American guts" (Draufgängertum) zu erleben in einem Auto "shaped like a Mach 2 jet on Wheels"(Zitat Ende).
Und damit diese "Sprüche" auch in die Tat umgesetzt werden konnten, dafür sorgte ein 440-Magnum-Charger R/T, der die 60 mph / 96 Km/h in weniger als 6.5 Sekunden schaffte (Richtwerte: 6.0-7.2). Ein Hemi kam dabei sogar unter 5 Sekunden (4.8 um genau zu sein).
Interessant ist hier vielleicht noch der Aspekt, dass der Dodge Super Bee mit seinen 383ci / 6'277 ccm und "nur" 335 SAE-PS die 60-Meilen-Marke bereits nach 5.6 Sekunden erreichen sollte (gemäss Car and Driver). Ob es sich dabei um einen Irrtum handelt (es gab vom Super Bee auch Motoren mit 6'982 ccm/425 SAE-PS und 7'212 ccm/390 SAE-PS) oder den Tatsachen entspricht entzieht sich jetzt aber meiner Kenntnis.
Wie viele andere Musclecars wurde auch der Charger ein "Filmstar"; hier sei nur verwiesen auf Bullitt mit Steve McQueen oder in Speedway mit Elvis Presley.
Das neue Modelljahr 1969 brachte denn - abgesehen von einem nunmehr durch ein Mittelteil getrenntem Kühlergrill - keine grossen Veränderungen mit sich. Für Aufregung selbst sorgte hingegen die Ankündigung eines Hemigetriebenen Charger 500 für Rennzwecke und eines Daytona mit Flugnase (für unkundige: Ihr könnt euch das vom aussehen her ein bisschen wie den unter "Biete" gezeigten "Superbird" vorstellen), speziell für NASCAR-Rennen gebaut.
Für heutige Verhältnisse klingt es fast schon lächerlich, wenn man hört/liest, dass der Charger 500 für USD 3'860.00 und der Daytona für USD 4'000.00 über den Ladentisch - bzw aus der Garage - ging. Wer weniger dafür hinblättern wollte oder konnte, begnügte sich mit dem "Standard-Charger R/T" bzw. dem Sondermodell "SE" (Special Edition, dieser hatte im Gegensatz zum Standard mit Lederimitat überzogene Sitze und ein Sportlenkrad).
Ihr seht, der Dodge Charger war sowohl das Auto für das brave Hausmütterchen zum einkaufen als auch was für "wahre Männer" geschaffen worden.
Der neu gestylte Charger hatte alles, was ein Fahrzeug in den ausklingenden 60er brauchte: lang, niedrig, wohlgeformt, schlicht, einfach, kraftvoll. Car und Driver behauptete seinerzeit sogar, dass in punkto Design nur die neue Corvette dem Charger voraus war - wenn auch nur um Nasenlänge.
So oder so - die Verkäufe der Jahre 1968 und '69 konnten sich sehen lassen: Verliesen 1968 insgesamt 96'108 Stück das Band so waren es 1969 immerhin nochmals 69'142 und vom Modell "R/T" wurden hier 20'057 verkauft.
Für Technikinteressierte - weitere Angaben zu meinem Dodge Charger findet ihr unter Impressionen.
Geschichtliches